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VW-Konzernumbau „Die Führungsebene lebt es nicht“

VW-Konzernumbau „Die Führungsebene lebt es nicht“

VW-Chef Müller hat einen nie dagewesenen Konzernumbau angekündigt. Bei der Umsetzung kracht es nun zwischen den Marken – Manager und Entwickler kämpfen um die Macht.

Über einen Mangel an Kritik kann Volkswagen-Chef Matthias Müller nicht klagen: Der Konzern steht seit dem Abgasskandal und den radikalen Umbauplänen unter Dauerbeobachtung. Müller weiß, dass auch intern die Unsicherheit groß ist. Als rund 300 hohe VW-Manager vor einigen Wochen am Konzernsitz in Wolfsburg zusammentrafen, bat der Vorstandschef um ihre Fragen. Eine ließ ihn aufhorchen: Eine neue Kultur im Konzern, wie Müller sie wolle, sei ja schön, sagte ein Kollege. Aber wie solle der Kulturwandel überhaupt gelingen?

„Stellen Sie mehr solche kritischen Fragen“, forderte Müller. Den Kulturwandel werde er nicht per Dekret ausrufen können – er müsse vorgelebt werden, von den Managern. Nur so funktioniere sein Zukunftsplan.

An der richtigen Einstellung aber hapert es. Der Umbau des Konzerns, in dem neue Mobilitätsideen und Digitalisierung wichtiger werden als die alte Motorentechnik, sät Angst und Zwietracht im Management – und zwischen den Marken.

„Zentrale Projekte werden blockiert, an vielen Stellen herrscht Stillstand“, heißt es im Konzern. Oft würden mehr Pfründen gesichert als neue Pfeiler eingerammt. Von anderer Seite im Unternehmen klingt es noch drastischer: „De facto fliegt alles auseinander. Jeder sichert sich selbst nach allen Seiten ab. Veränderungen werden verhindert.“

Müllers Strategieschwenk hat das bisher sichere Machtgefüge bei Europas größtem Autokonzern weiter auseinandergerissen. Die neue Führung verdaut immer noch die Folgen des Abgasskandals: Der oberste Führungskreis um den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn wurde ausgetauscht, ein Vergleich in den USA belastet den Konzern mit 15 Milliarden Euro, das Image ist beschädigt. Nun kommt Müller mit der Wende zu E-Autos, mobilen Dienstleistungen, einer offeneren, mutigeren Kultur.

Kampf zwischen Audi und Porsche

Wie der interne Machtkampf Müllers Umbaupläne drosselt, demonstrieren gerade die wichtigen Premiummarken Audi und Porsche. Zwischen den VW-Töchtern knirscht es, erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Konzernkreisen. Die Angst, zu viel Kompetenz an den anderen abzugeben, dominiere bei vielen Verhandlungen über gemeinsame Projekte.

Vor drei Wochen eskalierte die Lage. Der Leiter der Porsche-Unternehmensentwicklung, Jürgen Rittersberger, sei einfach nicht zur Strategiesitzung mit Audi, VW und Porsche erschienen, berichten Manager. Unter anderem im Baureihenmanagement heißt es, Porsche torpediere Müllers jüngste Sparvorgabe.

 Der Konzernchef hatte angekündigt, die Zahl der Baukästen, aus denen sich die Marken bei der Modellentwicklung bedienen können, von heute zwölf auf vier zu reduzieren. Das soll die Kosten drücken: Die Baukästen sammeln gleiche Teile und geben damit Konstruktionsmöglichkeiten vor. Das stößt den Entwicklern bei Audi und Porsche auf, denn künftig könnten sie so weniger eigene Wege gehen mit neuen Modellen. Sich zusammenzuraufen, fällt ihnen schwer. Sie fürchten um die Identität der jeweils eigenen Marke.

Auf ihren Strategiesitzungen sollen die Manager aushandeln, welche Marke mit ihren Vorgaben dominieren kann, welche zurückstecken muss. Das sorgt nun offenbar für Zündstoff. Rittersberger habe einen Terminkonflikt gehabt, heißt es aus seinem Umfeld verteidigend. Die Zusammenarbeit laufe sonst gut. Porsche habe darauf gedrungen, eine eigene Historie, einen eigenen Markenkern, eine eigene Vorstellung vom Geschäft zu haben, erklärten sich dagegen andere Manager Rittersbergers Position.

Mentalität der Absicherung

Müller hat geahnt, dass es nicht leicht wird. „Wir stellen hier einen traditionellen Konzern auf den Kopf“, hatte er im Sommer gesagt, als er seinen Sparkurs und den Umbau des Unternehmens ankündigte. Sein Plan greift tief in althergebrachte Strukturen ein: Die bisher sehr mächtigen Entwickler haben weniger zu sagen. Manager, die bisher allein agieren konnten, müssen sich absprechen.

Die Eingriffe versucht Müller behutsam zu vermitteln. Verständnisvoll agiere er, heißt es im Konzern, löse Konflikte als Mediator statt sofort seine intern durchaus bekannten, harten Ansagen zu machen. Er stelle Manager nicht an den Pranger, sondern verpacke Kritik eher als Ratschlag. Bislang scheint der Schmusekurs aber noch keine Ergebnisse zu bringen.

„Die Führungsspitze hat zwar das Credo einer neuen Kultur ausgegeben. Doch die Führungsebene lebt es nicht“, heißt es bei Betriebsräten verärgert. Es gebe eine zu geringe Bereitschaft unter den Managern, Entscheidungen in diesem noch unsicheren Umfeld zu treffen.

Verzögerungen gibt es auch durch eine neue Mentalität der Absicherung nach allen Seiten. Führungskräfte wollten wichtige Beschlüsse möglichst mit abnicken können – und verlangsamten sie so weiter, sagen Insider. Entscheidungen, etwa wann in welchen Ländern der neue Golf verkauft wird, wollten erst ein Dutzend ranghohe Manager unterschreiben. Das habe drei Monate gekostet. Früher sei dies in kleinem Kreis beschlossen worden.

Solche Blockaden bekam auch der neue VW-Markenchef Herbert Diess zu spüren. Als er kürzlich seine neue Offensive mit sportlichen Geländewagen (SUV) für die USA ankündigte, habe er die Entscheidung durchdrücken müssen, sagen Eingeweihte. Seine Manager hätten sich nicht einigen können, mit welcher Antriebstechnik etwa der SUV auf Passat-Basis entwickelt werden sollte. Am Ende habe Diess das Modell beschlossen – als milde Hybridversion aus Elektro- und Verbrennungsmotor. Damit der US-Plan gelinge, müsse Diess jetzt allerdings seine Manager hinter sich bringen, heißt es bei VW.

Das könnte schwierig werden, denn dem früheren BMW-Manager fehlen noch die richtigen Verbündeten. So geht es manchen Top-Leuten im Konzern, die erst neue Netzwerke etablieren müssen, da viele alte durch den Umbau zerpflückt werden. Zuletzt hatte sich Diess auch noch mit dem mächtigen VW-Betriebsrat angelegt: Nur mit Ach und Krach brachten beide Seiten den Sparpakt zuwege, durch den VW in Deutschland 23.000 Jobs bis 2025 streicht. Wieder musste Konzernchef Müller persönlich ran, um seinen Zukunftspakt zu sichern.

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