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So katastrophal lief das Krisenmanagement bei VW

So katastrophal lief das Krisenmanagement bei VW

Niedersachsens Ministerpräsident Weil wehrt sich vor dem VW-Untersuchungsausschuss gegen den Vorwurf der Vertuschung. Und er gewährt ungewöhnliche Einblicke in die VW-Welt beim Platzen der Abgasaffäre.

Stephan Weil sitzt zu Hause und schaut fern. Es ist 20 Uhr, „Tagesschau“-Zeit. Weil sieht sich Bilder von Flüchtlingen an, die nach Europa strömen, von der neuen Regierung in Ägypten und aus Japan, das mit einer neuen Militärdoktrin ringt. Und dann, um 20.08 Uhr, wird ein riesiges VW-Logo eingeblendet.

Die Sprecherin vermeldet, dass dem Automobilhersteller wegen Abgasmanipulationen in den USA ein Bußgeld von 18 Milliarden Euro droht. Reporter in den USA zählen erstaunlich viele Fakten auf und sagen dem Konzern eine düstere Zukunft voraus.

Der Bescheid mit der Strafandrohung der US-Umweltbehörde EPA wird eingeblendet. Es ist der 19. September 2015, und das ist der Moment, in dem Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen, von Dieselgate erfährt. Das sagt er selbst vor dem Abgasuntersuchungsausschuss des Bundestags, der ihn als Zeugen vorgeladen hatte. Ferdinand Piëch, ehemaliger VW-Aufsichtsratschef, sagt etwas anderes.

Wer wusste wann was?

Nämlich, dass Weil und andere schon lange vorher über den Abgasbetrug im Bilde waren. Und die Frage, wer wann über die Manipulationen Bescheid wusste, wird entscheidend sein, wenn es darum geht, ob Volkswagen nach all den Strafzahlungen in den USA an Anleger weltweit weitere Milliarden zahlen muss.

Als Stephan Weil die „Tagesschau“ sieht, ist die Nachricht, dass Volkswagen in den USA ein milliardenschweres Abgasproblem hat, schon gut einen Tag alt. Tagesschau.de meldet 24 Stunden und vier Minuten vor der „Tagesschau“-Sendung am Samstag: „US-Behörde wirft VW Betrug vor – fast 500.000 Autos betroffen“. Weil ist nach eigenen Angaben perplex. Und geht irgendwann zu Bett.

 Es wird Sonntag, nichts passiert. VW hat eine halbe Million Problemautos, und das ausgerechnet in den USA, wo es ohnehin schlecht läuft. Und wo die Umweltgesetze superscharf sind. 18 Milliarden Euro Strafe ist selbst für VW viel Geld. Aber niemand in Wolfsburg informiert Stephan Weil, den Vertreter einer der VW-Hauptaktionäre, dem Bundesland Niedersachsen, im VW-Aufsichtsrat.

Weil ist einer der wichtigsten Männer bei VW

Das Land hat durch das VW-Gesetz eine Sperrminorität und kann alle wichtigen Beschlüsse im Konzern blockieren. Weil sitzt im Präsidium des Aufsichtsrates, der Machtzentrale von Volkswagen. Er ist Sozialdemokrat und kann gut mit der IG Metall und mit dem Betriebsrat, ohne den bekanntlich bei Volkswagen nichts läuft.

Nach der Demontage von Ferdinand Piëch ist Weil neben Betriebsratschef Bernd Osterloh und Großaktionär Wolfgang Porsche der wohl einflussreichste Mann bei Deutschlands größtem Industriekonzern.

Aber niemand informiert diesen Mann über das drohende Unheil, das sich zusammenbraut. Nicht mal, nachdem es öffentlich geworden ist. Am Sonntag, 20. September räumt der damalige VW-Chef Martin Winterkorn erstmals öffentlich ein: Wir haben ein Problem, wir haben betrogen. Da ist es 14.14 Uhr.

Nur spärliche Informationen vom Unternehmen

Bei Stephan Weil steht das Telefon immer noch still. „Als ich weiterhin keine Informationen aus dem Unternehmen bekam, habe ich am Montag bei Volkswagen angerufen und gefragt, ob es nicht an der Zeit wäre, mich ins Bild zu setzen“, sagt Weil vor dem Untersuchungsausschuss. „Das spricht Bände“, meint das Ausschussmitglied Ulrich Lange (CSU).

Zweieinhalb Tage kriegt die ganze Welt mit, dass Volkswagen dabei ist, voll gegen die Wand zu fahren, und einer der wichtigsten Männer bekommt keinerlei Infos aus dem betroffenen Unternehmen. Aber auch er selbst greift das ganze Wochenende nicht zum Telefon, um nachzuhaken. So sieht Krisenmanagement auf höchster Ebene aus. Wenn es um Milliarden geht. Um Tausende Arbeitsplätze. Ist das plausibel? Dass ein Mann wie Weil von all dem bis zum Platzen der Bombe an jenem Wochenende nichts wusste?

Nein, behauptet angeblich Ferdinand Piëch. Das vierköpfige Präsidium des Aufsichtsrates und zwei andere Männer seien da seit Monaten im Bilde gewesen. Damit wären die vielen seltsamen Details beim Bekanntwerden der Dieselgate-Affäre erklärbar. Auch, warum ein Mann wie Weil von Freitagabend bis Montagabend nicht reagiert.

Weil konnte angeblich die Nachricht nicht einordnen

Doch Weil erklärt, er sei völlig überrascht gewesen an jenem Wochenende. „Ich wusste vorher nichts von Abgasmanipulationen und Abschalteinrichtungen. Ich konnte die Nachricht dazu zunächst gar nicht einordnen.“

Er habe nicht die geringste Veranlassung gehabt, etwas unter den Teppich zu kehren. „Mir ist doch bewusst, dass Politiker ganz anders im Fokus stehen als Manager. Und es gab für mich keinerlei Grund, an dieser Stelle etwas zu vertuschen.“

Das wiederum klingt plausibel. Bei allem Einfluss: Der Politiker Weil wird sich kaum darum gekümmert, nicht mal dafür interessiert haben, wie technisch genau VW seine Abgaswerte reguliert. Außerdem sagen die fünf weiteren von Piëch beschuldigten Männer dasselbe aus wie Weil: Wir wussten vor dem 19. September von keinem Abgasbetrug, sagt Weil. „Es steht also 6:1 gegen Ferdinand Piëch, und es gibt keinen schriftlichen Beleg, der seine Anschuldigungen stützt. Wenn Herr Piëch ein frühzeitiges Wissen von mir und den weiteren fünf Personen behauptet, so ist das falsch.“

Viel klüger nach der Befragung Weils ist der VW-Untersuchungsausschuss am Ende also nicht. Allerdings gab es einen aufschlussreichen Einblick, wie ein Großkonzern, der bis 2015 in vielen Bereichen das Maß aller Dinge war, Krisenmanagement betreibt.

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