Abgasaffäre in den USA Angeklagter VW-Manager bestreitet Vorwürfe

Im schlimmsten Fall drohen ihm 169 Jahre Gefängnis: Ein VW-Manager ist in den USA wegen angeblicher Beteiligung an der Abgasaffäre angeklagt. Sein Anwalt plädierte nun auf unschuldig.

Der in den USA wegen angeblicher Beteiligung am Abgasskandal angeklagte Volkswagen-Manager hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Bei einer Gerichtsanhörung in Detroit plädierte der Anwalt des Deutschen, dem im schlimmsten Fall 169 Jahre Haft drohen, am Donnerstag auf unschuldig. Der 48-Jährige war im Januar in Florida vom FBI festgenommen wurden. Er war bei VW bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut.

 Dem Mann, dem in Detroit der Prozess gemacht werden soll, wird insbesondere der Versuch vorgeworfen, Abgas-Manipulationen zu vertuschen und Ermittler in die Irre zu führen. Die 39-seitige Klageschrift umfasst etliche Anschuldigungen von bewussten Falschaussagen bis hin zur Vernichtung von Beweismitteln. Vor Gericht erschien der langjährige VW-Mitarbeiter laut Augenzeugen in roter Gefangenenkleidung und schwieg während der gesamten Anhörung.

Sein Anwalt kündigte einen neuen Versuch an, seinen Mandanten gegen Kaution auf freien Fuß zu bekommen. Ein Antrag war bereits im Januar von einem Gericht in Miami abgelehnt worden. Zudem forderte er die Verlegung des Angeklagten in ein anderes Gefängnis sowie eine Lesebrille und Medikamente. Als nächstes soll der Mann dem zuständigen Richter Sean Cox vorgeführt werden. Ein Termin dafür sei aber noch nicht angesetzt worden, sagte ein Gerichtssprecher.

Der Mann ist eine von sechs amtierenden und ehemaligen VW-Führungskräften, die die US-Justiz in der Dieselaffäre strafrechtlich belangen will. Die Mitarbeiter sind allerdings eher dem mittleren Management oder der zweiten Reihe als der Konzernspitze zuzurechnen. Auf die anderen Angeklagten haben die Fahnder kaum Zugriff, da sie sich in Deutschland aufhalten dürften und ihnen keine Auslieferung droht. Die Manager werden beschuldigt, Teil einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze gewesen zu sein.

VW hat sich im US-Strafverfahren bereits auf Konzernebene schuldig bekannt, kriminelle Handlungen zugegeben, und einem 4,3 Milliarden Dollar teuren Vergleich mit dem US-Justizministerium zugestimmt. Die Einigung muss aber noch von Richter Cox genehmigt werden. Insgesamt hat VW in den USA und Kanada schon Vergleiche über rund 24 Milliarden Dollar akzeptiert. Der Konzern hatte im September 2015 eingeräumt, in großem Stil Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben.

So katastrophal lief das Krisenmanagement bei VW

Niedersachsens Ministerpräsident Weil wehrt sich vor dem VW-Untersuchungsausschuss gegen den Vorwurf der Vertuschung. Und er gewährt ungewöhnliche Einblicke in die VW-Welt beim Platzen der Abgasaffäre.

Stephan Weil sitzt zu Hause und schaut fern. Es ist 20 Uhr, „Tagesschau“-Zeit. Weil sieht sich Bilder von Flüchtlingen an, die nach Europa strömen, von der neuen Regierung in Ägypten und aus Japan, das mit einer neuen Militärdoktrin ringt. Und dann, um 20.08 Uhr, wird ein riesiges VW-Logo eingeblendet.

Die Sprecherin vermeldet, dass dem Automobilhersteller wegen Abgasmanipulationen in den USA ein Bußgeld von 18 Milliarden Euro droht. Reporter in den USA zählen erstaunlich viele Fakten auf und sagen dem Konzern eine düstere Zukunft voraus.

Der Bescheid mit der Strafandrohung der US-Umweltbehörde EPA wird eingeblendet. Es ist der 19. September 2015, und das ist der Moment, in dem Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen, von Dieselgate erfährt. Das sagt er selbst vor dem Abgasuntersuchungsausschuss des Bundestags, der ihn als Zeugen vorgeladen hatte. Ferdinand Piëch, ehemaliger VW-Aufsichtsratschef, sagt etwas anderes.

Wer wusste wann was?

Nämlich, dass Weil und andere schon lange vorher über den Abgasbetrug im Bilde waren. Und die Frage, wer wann über die Manipulationen Bescheid wusste, wird entscheidend sein, wenn es darum geht, ob Volkswagen nach all den Strafzahlungen in den USA an Anleger weltweit weitere Milliarden zahlen muss.

Als Stephan Weil die „Tagesschau“ sieht, ist die Nachricht, dass Volkswagen in den USA ein milliardenschweres Abgasproblem hat, schon gut einen Tag alt. Tagesschau.de meldet 24 Stunden und vier Minuten vor der „Tagesschau“-Sendung am Samstag: „US-Behörde wirft VW Betrug vor – fast 500.000 Autos betroffen“. Weil ist nach eigenen Angaben perplex. Und geht irgendwann zu Bett.

 Es wird Sonntag, nichts passiert. VW hat eine halbe Million Problemautos, und das ausgerechnet in den USA, wo es ohnehin schlecht läuft. Und wo die Umweltgesetze superscharf sind. 18 Milliarden Euro Strafe ist selbst für VW viel Geld. Aber niemand in Wolfsburg informiert Stephan Weil, den Vertreter einer der VW-Hauptaktionäre, dem Bundesland Niedersachsen, im VW-Aufsichtsrat.

Weil ist einer der wichtigsten Männer bei VW

Das Land hat durch das VW-Gesetz eine Sperrminorität und kann alle wichtigen Beschlüsse im Konzern blockieren. Weil sitzt im Präsidium des Aufsichtsrates, der Machtzentrale von Volkswagen. Er ist Sozialdemokrat und kann gut mit der IG Metall und mit dem Betriebsrat, ohne den bekanntlich bei Volkswagen nichts läuft.

Nach der Demontage von Ferdinand Piëch ist Weil neben Betriebsratschef Bernd Osterloh und Großaktionär Wolfgang Porsche der wohl einflussreichste Mann bei Deutschlands größtem Industriekonzern.

Aber niemand informiert diesen Mann über das drohende Unheil, das sich zusammenbraut. Nicht mal, nachdem es öffentlich geworden ist. Am Sonntag, 20. September räumt der damalige VW-Chef Martin Winterkorn erstmals öffentlich ein: Wir haben ein Problem, wir haben betrogen. Da ist es 14.14 Uhr.

Nur spärliche Informationen vom Unternehmen

Bei Stephan Weil steht das Telefon immer noch still. „Als ich weiterhin keine Informationen aus dem Unternehmen bekam, habe ich am Montag bei Volkswagen angerufen und gefragt, ob es nicht an der Zeit wäre, mich ins Bild zu setzen“, sagt Weil vor dem Untersuchungsausschuss. „Das spricht Bände“, meint das Ausschussmitglied Ulrich Lange (CSU).

Zweieinhalb Tage kriegt die ganze Welt mit, dass Volkswagen dabei ist, voll gegen die Wand zu fahren, und einer der wichtigsten Männer bekommt keinerlei Infos aus dem betroffenen Unternehmen. Aber auch er selbst greift das ganze Wochenende nicht zum Telefon, um nachzuhaken. So sieht Krisenmanagement auf höchster Ebene aus. Wenn es um Milliarden geht. Um Tausende Arbeitsplätze. Ist das plausibel? Dass ein Mann wie Weil von all dem bis zum Platzen der Bombe an jenem Wochenende nichts wusste?

Nein, behauptet angeblich Ferdinand Piëch. Das vierköpfige Präsidium des Aufsichtsrates und zwei andere Männer seien da seit Monaten im Bilde gewesen. Damit wären die vielen seltsamen Details beim Bekanntwerden der Dieselgate-Affäre erklärbar. Auch, warum ein Mann wie Weil von Freitagabend bis Montagabend nicht reagiert.

Weil konnte angeblich die Nachricht nicht einordnen

Doch Weil erklärt, er sei völlig überrascht gewesen an jenem Wochenende. „Ich wusste vorher nichts von Abgasmanipulationen und Abschalteinrichtungen. Ich konnte die Nachricht dazu zunächst gar nicht einordnen.“

Er habe nicht die geringste Veranlassung gehabt, etwas unter den Teppich zu kehren. „Mir ist doch bewusst, dass Politiker ganz anders im Fokus stehen als Manager. Und es gab für mich keinerlei Grund, an dieser Stelle etwas zu vertuschen.“

Das wiederum klingt plausibel. Bei allem Einfluss: Der Politiker Weil wird sich kaum darum gekümmert, nicht mal dafür interessiert haben, wie technisch genau VW seine Abgaswerte reguliert. Außerdem sagen die fünf weiteren von Piëch beschuldigten Männer dasselbe aus wie Weil: Wir wussten vor dem 19. September von keinem Abgasbetrug, sagt Weil. „Es steht also 6:1 gegen Ferdinand Piëch, und es gibt keinen schriftlichen Beleg, der seine Anschuldigungen stützt. Wenn Herr Piëch ein frühzeitiges Wissen von mir und den weiteren fünf Personen behauptet, so ist das falsch.“

Viel klüger nach der Befragung Weils ist der VW-Untersuchungsausschuss am Ende also nicht. Allerdings gab es einen aufschlussreichen Einblick, wie ein Großkonzern, der bis 2015 in vielen Bereichen das Maß aller Dinge war, Krisenmanagement betreibt.

Regierung koordiniert Reaktionen Berlin ernennt Beauftragten für Opel-Verkauf

Bund, Länder und die betroffenen Kommunen: Auf allen Ebenen schaltet sich der Staat in die Verhandlungen über den Opel-Verkauf ein. Unter den Mitarbeitern breitet sich derweil Pessimismus aus.

Im Übernahmepoker um den verlustreichen Autohersteller Opel haben sich Bund und Länder sortiert. Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig soll die Gespräche mit der Opel-Mutter General Motors, den Gewerkschaften, dem französischen Bieter PSA Peugeot-Citroën und dem französischen Staat koordinieren, wie aus Bund-Länder-Kreisen bekannt wurde. Die GM-Tochter Opel hat in den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen Werke mit zusammen rund 19 000 Mitarbeiter.

Machnig kennt Opel aus seiner Zeit als Wirtschaftsminister in Thüringen mit dem Werk Eisenach. Erste Kontakte zu GM und PSA gab es bereits. So berieten Unternehmensvertreter auch mit dem Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel, Lars-Hendrik Röller, über die Opel-Zukunft.

GM erwägt, das Unternehmen nach fast 90 Jahren an den französischen PSA-Konzern zu verkaufen, an dem der französische Staat 14 Prozent der Anteile hält. Nach Informationen des „Handelsblatt“ sind die Verhandlungen schon sehr weit fortgeschritten und könnten innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen sein.

Im Fall einer Übernahme erwarten Experten eine schnelle Integration in den Entwicklungs- und Produktionsverbund von PSA, was zu massiven Arbeitsplatzverlusten führe könnte. In die Riege der Pessimisten reihte sich der frühere Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz ein. Opel und seine Mitarbeiter werden die großen Verlierer bei einer Übernahme durch PSA werden, wie er der Zeitschrift „Automobilwoche“ sagte.

Große Sorgen bei Vauxhall

Große Einschnitte seien beim Entwicklungszentrum am Stammsitz Rüsselsheim zu erwarten, in dem rund 8000 Leute arbeiten, sagte Franz. Aber auch die kleinen Werke in Kaiserslautern und Eisenach seien in Gefahr. Einen Schulterschluss der IG Metall mit den französischen Gewerkschaften erwarte er nicht.

Schlimmer könnte es die GM-Werke in Großbritannien treffen, meint der britische Fusionsexperte John Colley von der Warwick Business School. PSA-Chef Carlos Tavares habe kaum eine andere Wahl, als die beiden Opel/Vauxhall-Produktionsstätten Ellesmere Port und Luton dicht zu machen, weil das den Konzern viel billiger kommen werde als Werkschließungen in Deutschland. Die GM-Fabriken in Osteuropa profitierten von den niedrigeren Lohnkosten und seien näher am Markt als die Werke auf der Insel. Das sei möglicherweise der erste Preis, den man für den Brexit zahlen müsse.

Die erstmals 2013 abgeschlossene Vereinbarung sollte den damaligen Sanierungskurs stützen und war zwischenzeitlich verlängert worden, weil Opel immer noch nicht aus der Verlustzone gefahren war. Sollte das Unternehmen die Konstruktion nach Ablauf verlassen wollen, würden sofort die aktuellen Tarifgehälter fällig, erläuterte ein Sprecher.

Schlammschlacht bei VW Israelischer Ex-Geheimdienstchef bestreitet Rolle in Abgasskandal

Der ehemalige Chef von Israels Geheimdienst Schin Bet, Juval Diskin, dementiert vehement Aussagen von Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch: Dessen Schuldzuweisungen zum Dieselskandal seien „kompletter Nonsens“, teilte Diskin SPIEGEL ONLINE mit.

Wer wusste bei Volkswagen wann was über den Abgasskandal? Das Verwirrspiel geht weiter. Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Vorwürfe gegen Mitglieder des Aufsichtsrats erhoben.

Bei einem Treffen Ende Februar 2015, so stellte es Piëch dar, soll der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor ihm ein Dokument gezeigt haben, demzufolge US-Behörden den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn frühzeitig über den Betrug bei Abgaswerten in Kenntnis gesetzt hätten. Primor sei begleitet worden von Juval Diskin, Ex-Chef von Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet.

Nun widersprechen Diskin und Primor Piëchs Darstellung vehement. „Das ist kompletter Nonsens“, ließ Diskin SPIEGEL ONLINE über einen Mitarbeiter ausrichten. Diskin habe „nicht den Hauch einer Information über den Dieselskandal“ besessen – und erst über die Medien von den Vorgängen bei VW erfahren.

Ex-Botschafter Primor meldete sich im „Handelsblatt“ zu Wort. Er kenne Piëch zwar schon lange und habe ihn regelmäßig getroffen. Die Abgasaffäre sei dabei aber nicht zur Sprache gekommen. „Darüber haben wir nicht geredet“, so Primor.

Piëch hatte nach eigenen Angaben auch noch die Mitglieder des Aufsichtsratspräsidiums, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), Betriebsratschef Bernd Osterloh, den ehemaligen IG-Metall-Chef Berthold Huber und Wolfgang Porsche informiert. Alle vier bestreiten dies jedoch. Weil unterstellt Piëch, aus Rache zu handeln, weil er bei VW ausgebootet worden war.

 

Dieselabgase bei Peugeot und CitroënPariser Behörde schaltet Justiz ein

In Laufe des Abgasskandals bei Volkswagen nahm die französische Antibetrugsbehörde auch den Autobauer PSA Peugeot Citroën unter die Lupe – und hat nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Die französische Antibetrugsbehörde hat nach Untersuchungen zu Diesel-Abgasen beim Autohersteller PSA Peugeot Citroën die Justiz eingeschaltet. Eine Akte mit den Erkenntnissen sei an die Staatsanwaltschaft übermittelt worden, teilte das Finanz- und Wirtschaftsministerium mit, ohne Details zum Inhalt zu nennen. Es liege nun an die Justiz, über eventuelle Folgen zu entscheiden. Der französische Autobauer zeigte sich „überrascht“ und betonte, dass PSA die Abgasregeln in allen Ländern einhalte.

 

 

Neuer VW Touareg scharrt mit den Felgen

Der schönste von Volkswagen, der Touareg, ist alt geworden. Doch die Neuauflage des SUVs steht bereits in den Startlöchern. Einige Details zum Modell der dritten Generation gibt VW jetzt bekannt.

Volkswagen wird Anfang 2018 die dritte Generation des Touareg auf den Markt bringen. Wie jetzt die Zeitschrift „Auto Motor Sport“ erfahren haben will, wird die kommende Versuon des SUV-Modells deutlich größer und zugleich aber auch leichter werden. Außerdem soll der Allradler mit digitalisierten Innenraumwelten und stärkerer Vernetzung punkten.

Das Längenwachstum wird demnach beträchtlich ausfallen, denn um gleich 20 Zentimeter wird der neue SUV des Allradlers auf gut 5 Meter springen. Auch in der Breite legt die Neuauflage geringfügig zu. Parallel will VW beim Gewicht aber deutliche Einsparungen realisieren. Gegenüber dem derzeit 2,1 bis 2,3 Tonnen schweren Touareg soll die Neuauflage satte 200 Kilogramm weniger wiegen.

Im Innenraum setzt VW ebenfalls auf Minimierung, denn hier soll sich die Zahl der Schalter und Knöpfe verringern. Stattdessen setzen die Wolfsburger auf eine Touchscreen-Bedienung mit Kacheloberfläche, über die sich Funktionen von Navi, Infotainmentsystem und Telefon steuern lassen. Dabei kann der Fahrer eine Bildschirm-Konfiguration nach seinen Wünschen hinterlegen, die dann über eine VW-ID abrufbar sein wird.

Darüber hinaus soll sich das Bordsystem auch mit einem Netzwerk im eigenen Haus austauschen können. Damit hätte der Fahrer die Möglichkeit, über die Amazon-Spracherkennungssoftware Alexa vom Auto aus per Sprachbefehl Heizung oder Licht zu regulieren. Seine Premiere wird der neue Touareg im Herbst feiern. Marktstart ist dann voraussichtlich im Frühjahr 2018.

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Truck-Sparte bremst Daimler schafft kaum noch mehr Gewinn

Eine Modelloffensive und die Aufholjagd in China haben Daimler zuletzt kräftig in Fahrt gebracht. Neue Impulse zu setzen, wird schwer. 2016 gelang ein weit geringerer Zuwachs, das Lkw-Geschäft bricht ein.

Die Zeiten stürmischen Wachstums sind für Daimler vorerst vorbei. Vergangenes Jahr schaffte der Autokonzern noch gerade ein Umsatzplus von drei Prozent auf 153,3 Milliarden Euro. Ebenso stark stieg der um Sonderfaktoren bereinigte Vorsteuergewinn (Ebit) auf 14,2 Milliarden Euro. 2015 war der Erlös noch um 15 Prozent in die Höhe geschossen. Auch der bereinigte operative Gewinn war in den beiden Jahren zuvor regelrecht um Raten von 36 und 27 Prozent explodiert. Unterm Strich verdiente der Konzern vergangenes Jahr 8,5 Milliarden Euro nach 8,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

 Die Aktionäre von Daimler  haben am Donnerstagmorgen verstimmt auf die Zahlen des Autobauers für das Schlussquartal 2016 reagiert. Die Papiere fielen auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss des Vortages um 1,46 Prozent auf 69,00 Euro.

Der Absatzspurt in China, mit dem Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz den dortigen Markt stärker besetzen konnte, und eine ganze Reihe neuer Modelle hatten den Stuttgarter Konzern in den Vorjahren angetrieben. Mercedes feierte daher sogar, die Kontrahenten BMW und Audi abgehängt zu haben. Nun kommt das starke Wachstum auf Normalmaß zurück und die Frage auf, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche nun noch etwas drauflegen will.

Neue Ideen dürften schon allein nötig werden, weil die Lkw-Sparte des Unternehmens schwächelt. 2016 belastete ein Gewinneinbruch im Nutzfahrzeuggeschäft die Bilanz. Die Flaute am Lkw-Markt in den USA und die anhaltende Marktschwäche in Brasilien ließ das bereinigte Vorsteuerergebnis der Sparte um ein Viertel absacken. Für 2017 rechnet Daimler mit einem weiteren Rückgang.

Zugleich wächst das Pkw-Geschäft zwar noch gut, der Absatz stieg um zehn Prozent auf 2,2 Millionen Autos weltweit. Im Vorjahr gelang aber noch ein Plus von 16 Prozent. Der operative Gewinn legte kaum noch zu, dagegen schaffte Mercedes-Benz 2015 einen Zuwachs von 35 Prozent.

Vorsichtige Prognose

Entsprechend vorsichtig blickt das Management in die Zukunft. Für das laufende Jahr stellte Zetsche ein einstelliges Wachstum in Aussicht. Absatz, Umsatz und Vorsteuerergebnis sollen „leicht“ steigen. Das bedeutet beim Gewinn eine Spanne von 2,5 bis zehn Prozent – Analysten hatten ein Gewinnplus von knapp zehn Prozent erwartet.

Vorstandschef Zetsche sagte, Daimler habe so viel Finanz- und Innovationskraft wie nie, um neue Trends wie die Elektromobilität oder Vernetzung des Autos zu gestalten. Die Hauptsparte Mercedes-Benz Pkw soll dank neuer Modelle wie der E-Klasse deutlich wachsen. Im Lkw-Geschäft erwartet der Konzern dagegen einen leichten Gewinnrückgang.

 Daimler will für die neuen Trends in der Autoindustrie wie Elektromobilität und autonomes Fahren die Investitionen erhöhen. In diesem und im kommenden Jahr werde der Konzern mehr als 14 Milliarden Euro in Sachanlagen und mehr als 16 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken, kündigte Finanzvorstand Bodo Uebber an.

Beschäftigte erhalten 5400 Euro Prämie

Die Beschäftigten von Daimler in Deutschland werden am Gewinn des Konzerns vom vergangenen Jahr mit jeweils 5400 Euro beteiligt. Die Erfolgsprämie gilt für die rund 130.000 Tarifmitarbeiter in Deutschland. Der Bonus liegt etwas unter dem des Vorjahres von 5650 Euro, da er sich nach dem operativen Gewinn richtet, ist aber immer noch der zweithöchste der Firmengeschichte.

Bosch entschädigt Diesel-Kunden in den USA

Der Autozulieferer hat für einen Teil der VW-Fahrzeuge jene Software geliefert, die den Abgasbetrug möglich machte. Doch mit der Einigung ist die Affäre für Bosch noch nicht ausgestanden.

Sie würden ja so gerne erklären, was ihre Rolle bei diesem Dieselskandal ist, sagen sie bei Bosch. Aber sie könnten nicht, dürften nicht, weil Staatsanwälte aus Stuttgart und überhaupt Ermittler aus aller Welt bei ihnen zugange seien, ähnlich wie bei Volkswagen. Und wer etwas sagt jetzt, der muss damit rechnen, dass es gegen ihn verwendet wird.

Fakt ist: Die Motorsteuerung, die den Abgasbetrug technisch möglich machte, stammt bei einem Teil der betroffenen VW-Fahrzeuge vom Bosch-Konzern. Betroffen sind Autos der Marken VW, Audi und Porsche. Nun hat Bosch zwar einen Schritt getan zur Beendigung der leidigen Sache – aber über ihre Rolle sprechen sie weiterhin nicht. Wie man auf der Stuttgarter Schillerhöhe, der Bosch-Konzernzentrale, erwartet hatte, gibt es eine Einigung in den USA zumindest über einen Teil der zivilrechtlichen Vorwürfe. Das Unternehmen habe sich mit US-Klägern auf einen Vergleich über 328 Millionen US-Dollar geeinigt, teilte der schwäbische Konzern mit. Viel Geld – aber weit weniger als die Milliarden, die der VW-Konzern zahlen muss, der die Software eingesetzt hat. Der Vergleich mit den geschädigten Diesel-Fahrern war bereits im Dezember bekannt geworden, nun kennt man also auch die Höhe der Zahlung. Allerdings fehlt noch ein Schritt: die Genehmigung durch das Gericht. Im Mai könnte es eine endgültige Einigung geben. Die Manager von Bosch haben im Gegensatz zu VW nie ein Fehlverhalten eingeräumt – auch jetzt nicht. Die Einigung mit den Klägern bedeute „keine Einräumung von Schuld“, erklärte das Unternehmen. „Nach sorgfältiger Abwägung aller Gesichtspunkte haben wir uns in diesem Fall dazu entschieden, eine Vergleichsvereinbarung zu schließen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Das stelle Rechtssicherheit her, entlaste und führe dazu, dass man sich wieder anderen Themen widmen könne. Allerdings ist der Dieselskandal für Bosch damit nicht ausgestanden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt weiter und auch in den USA sind noch strafrechtliche Ermittlungen im Gange. In der über 700 Seiten starken Zivilklage war eine Menge gegen Bosch zusammengetragen worden. Ohne Einverständnis des Zulieferers habe der Autokonzern die Software, die für die Manipulationen genutzt worden war, offenbar nicht verändern können. Und zugleich soll der Zulieferer gewusst haben, dass ein Teil seiner Dienstleistung letztlich dem VW-Konzern bei illegalen Tricksereien helfen könnte – und wollte sich deshalb im Jahr 2008 von jeglicher Haftung freistellen lassen durch VW. Schließlich siedelten die Kläger das Wissen um den Betrug auch in den obersten Etagen an: Bosch-Chef Volkmar Denner und der damalige VW-Chef Martin Winterkorn hätten sich im Mai 2014 getroffen – und über den Betrug gesprochen. Doch konnten diese Anschuldigungen offenbar nicht alle belegt werden. Es sei zu bezweifeln, dass ein weiteres Verfahren oder eine Gerichtsverhandlung bessere Ergebnisse für die Betroffenen bringen würde, heißt es in deren eigener Stellungnahme, welche die Kläger nun nach der Verständigung mit Bosch an einem Zivilgericht in San Francisco eingereicht haben.

Das heißt: Mehr als 328 Millionen Dollar seien kaum drin gewesen. An diesem Gericht ist auch VW ein Thema. Ebenfalls am Mittwoch wurde bekannt, dass der Konzern mit einer neuerlichen Milliardenzahlung in den USA eine weitere Hürde im Dieselskandal zu überwinden sucht. Der Autobauer stimmte zu, mindestens 1,3 Milliarden Dollar an etwa 80 000 Besitzer von großen Dieselfahrzeugen mit umweltbelastenden 3-Liter-Motoren zu zahlen, um deren Klagen beizulegen. Wie aus den veröffentlichten Gerichtsunterlagen weiter hervorgeht, könnte es VW jedoch bis zu vier Milliarden Dollar kosten, wenn die Behörden keine Freigabe für die Reparatur eines Großteils der betroffenen Wagen erteilen. Eine Nachbesserung bei diesen Autos – darunter Geländewagen von Audi, VW und Porsche – ist extrem herausfordernd. Gegebenenfalls will der Konzern deshalb offenbar einen Teil der Autos zurückkaufen.

Für schwächer motorisierte Autos gibt es bereits eine Einigung. Die Kosten des Dieselskandals steigen damit für Volkswagen in den USA auf mindestens 24 Milliarden Euro.

Daimler Mercedes soll Uber selbstfahrende Taxis liefern

Uber will den Stadtverkehr mit selbstfahrenden Autos revolutionieren. Nach Volvo soll nun auch Daimler die passenden Robotertaxis liefern. Es ist eine Verbindung mit viel Potenzial – und vielen Fragezeichen.

München.Dieter Zetsche fährt oft ins Silicon Valley. Die schnell wachsenden Technologiefirmen an der US-Westküste nennt der Daimler-Chef „Frenemies“ – sie seien Freund und Feind zugleich. Im Fall des Taxivermittlers Uber tendiert Daimler nun zu Freundschaft. Am Dienstag gaben beide Unternehmen bekannt, eng kooperieren zu wollen. „Im Rahmen der Kooperation plant Daimler in den kommenden Jahren, autonom fahrende Mercedes-Benz Pkw unter anderem auch auf der globalen Plattform von Uber anzubieten,“ erklärte Daimler.

Die Stuttgarter arbeiten wie der Rest der Branche intensiv an Autos, die schrittweise ohne Fahrer auskommen. Schon die neue E-Klasse kann auf der Autobahn weitgehend ohne den Menschen steuern. Im US-Bundesstaat Nevada hat Daimler eine Lizenz für Fahrten, in denen der Computer bereits vollständig die Kontrolle übernimmt.

Die Lkw-Sparte der Stuttgarter hat zudem ein System entwickelt, das teilautonomisiertes Fahren ermöglichen soll. Die Funktionen werden derzeit erprobt. Uber hat eine Gruppe von IT-Ingenieuren zusammengestellt, um selbstfahrende Autos auf amerikanischen Straßen testet. Zusätzlich arbeitet das US-Unternehmen an selbstfahrenden Lkw.

Doch das ist erst der Anfang. Entwicklungsvorstand Ola Källenius sagte dem Handelsblatt Anfang Januar, er gehe davon aus, dass es im kommenden Jahrzehnt möglich sei, ganz ohne Fahrer auch durch Städte fahren zu können. Eine Vision, die insbesondere den Taxi- und Chauffeurmarkt auf den Kopf stellen dürfte. Daran ist vor allem Uber interessiert. Die Amerikaner unterhalten eine Plattform für Fahrdienstvermittlungen in 74 Ländern.

Gelingt es den Fahrer durch den Computer zu ersetzen, könnten die Kosten für Taxifahrten um bis zu siebzig Prozent sinken, schätzen Experten. „Beide Unternehmen werden gegenseitig von den wegweisenden Kompetenzen beim autonomen Fahren sowie beim Plattformbetrieb profitieren“, erklärte Daimler. „Und wir sind fest entschlossen, die treibende Kraft dieses Wandels zu sein“, erklärte Zetsche. „Hinter der Technologie der selbstfahrenden Fahrzeuge steht das Versprechen, künftig Städte zu schaffen, die sicherer, sauberer und zugänglicher sind“, sagte Uber-Chef Travis Kalanick.

Wie exklusiv die Vereinbarung wirklich ist, bleibt offen. Uber hat im vergangenen Jahr bereits eine enge Zusammenarbeit mit Volvo angekündigt. Auch einen Zeitplan für den ersten Einsatz von Mercedes-Fahrzeugen in Uber-Flotten gibt es ebenso wenig wie eine Angabe über die Aufteilung des künftigen Geschäftes. Ohnehin fahren die Stuttgarter mindestens zweigleisig: Daimler unterhält über seine Tochter Moovel eigene Moblitätsanbieter, unter anderem den Taxivermittler „MyTaxi“.

 

Autobauer Ford kritisiert Einreiseverbot „Wir unterstützen diese Politik nicht“

Politiker, Gewerkschaften und jetzt auch Autobauer: Der Konzern Ford hat das von US-Präsident Trump erlassene Einreise-Dekret kritisiert, weil es „gegen die Werte unserer Firma verstößt“.

Ford distanziert sich von dem Einreiseverbot von Donald Trump. Bill Ford Junior, Vorsitzender der Ford Motor Company, und CEO Mark Fields sagten in einer Stellungnahme gegenüber Angestellten: „Wir unterstützen diese Politik nicht oder irgendeine andere, die gegen die Werte unserer Firma verstößt.“

 Trump hatte am Samstag per Dekret ein Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten verhängt. Mehrere US-Konzerne wie Tesla und Star Bucks hatten die Entscheidung kritisiert.

Ford und Fields sagten, ihnen sei nicht bekannt, dass ein Arbeitnehmer von Ford von der Regelung betroffen sei. Der Autobauer hat seinen Hauptsitz in Dearborn, Michigan, wo viele arabischstämmige Amerikaner leben.

Fields hatte sich in der vergangenen Woche zweimal mit Trump getroffen, um über wirtschaftliche Themen zu sprechen. Trump hatte Ford scharf kritisiert, nachdem der Autobauer einige Produktionen nach Mexiko verlagern wollte. In den vergangenen Wochen hatte Trump den Autobauer jedoch gelobt, nachdem dieser angekündigt hatte, in den USA zu investieren.

 Auch die Gewerkschaft „United Automobile Workers“ sagte: „Wir lehnen jede Art der Diskriminierung ab und prangern jede Form der Politik an, die Menschen aufgrund ihrer Religion oder Herkunft beurteilt.“

General Motors, Fiat, Toyota und Honda wollten sich nicht zu Trumps Einwanderungspolitik äußern. GM-Vizepräsident Mark Reuss sagte leidglich: „GM ist ein globales Unternehmen.“