Machtkampf bei Renault

Renault und Nissan wollen ihre Beteiligungsstruktur Ă€ndern, um den Einfluss des französischen Staates zu schmĂ€lern. In Paris hĂ€lt man wenig von der Idee. Zwischen dem Autohersteller Renault-Nissan und dem französischen Staat zeichnet sich ein Machtkampf ab. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron erklĂ€rte, die Allianz dĂŒrfe nicht durch VerĂ€nderungen in Gefahr gebracht werden. Der Chef von Renault-Nissan, Carlos Ghosn, konterte: Wichtig sei, die Allianz zu erhalten. Er wollte sich aber zu möglichen VerĂ€nderungen nicht Ă€ussern. Laut internationalen Zeitungsberichten wollen Renault und Nissan ihre Beteiligungsstruktur Ă€ndern, um den Einfluss des französischen Staates zurĂŒckzudrĂ€ngen. Ghosn soll nichts gegen eine VerĂ€nderung in diese Richtung haben. Nissan will offenbar mehr Anteile am französischen Konzern ĂŒbernehmen. Renault könnte dabei den Anteil an Nissan reduzieren. Das französische Unternehmen hat Nissan 1999 vor der Pleite gerettet, Nissan ist aber heute der stĂ€rkere Partner. Die MachtverhĂ€ltnisse der seit sechzehn Jahren bestehenden Allianz wĂŒrden sich bei Umsetzung des Vorhabens Ă€ndern. Renault hĂ€lt 43,3% an Nissan, Nissan kontrolliert 15% bei Renault, aber ohne Stimmrechte. Nissan könnte in Zukunft Stimmrechte erhalten. Der Anteil von Renault an Nissan wĂŒrde auf unter 40% sinken. Möglich wĂ€re gar, dass die Partner jeweils 25% bis 35% am anderen halten. Dadurch wĂŒrde der Einfluss des französischen Staates geschwĂ€cht. Der Vorstoss wird von Experten als Antwort von Ghosn auf die Erhöhung des Anteils des französischen Staats von 15% auf 23,2% vor einigen Monaten gesehen. Die Regierung wollte damit ihren Einfluss schĂŒtzen. Hintergrund ist das Gesetz Florange, das Frankreich 2014 zum Schutz der heimischen Industrie einfĂŒhrte. Es rĂ€umt Investoren ein doppeltes Stimmrecht ein, wenn sie die Aktien im eigenen Namen erwerben und mindestens zwei Jahre halten. Nach dem Aktienzukauf konnten sich die Kritiker des Staates bei einem AktionĂ€rstreffen nicht durchsetzen, die Stimmrechte des Staates zu beschrĂ€nken, weil die Mehrheit fehlte. Renault und Nissan befĂŒrchten, dass der Einfluss des Staates die Allianz gefĂ€hrde. Bevor das Gesetz durchgesetzt wurde, war Ghosn der uneingeschrĂ€nkte Herrscher der Allianz, doch mit einem doppelten Stimmrecht kann der Staat sehr viel mehr mitreden, auch wenn er jetzt seinen Anteil schon wieder auf 19,7% reduziert hat.