Fahrspaß gibt's woanders

Ford hat sich einen Ruf für gute Raumfahrzeuge erarbeitet – auch der C-Max bietet Familien viel Platz. Der Antrieb hat uns aber nicht völlig überzeugt.

Es ist nur so ein Gefühl, aber dem einen oder anderen Autofahrer geht die SUV-Hysterie langsam wohl doch auf den Wecker. Wer etwas höher sitzen will und mehr Platz benötigt, eine Outdoor-Show aber anderen überlässt, kommt nach kurzer Überlegung auf eine andere Fahrzeugkategorie: den guten alten Familienvan.

Dieser bietet im Idealfall noch etwas mehr und vor allem durchdachten Platz als ein SUV und ist wegen des fehlenden Abenteuer-Appeals deutlich günstiger in der Anschaffung und meist auch im Unterhalt. Der Van ist im Alltag außerdem der komfortablere und entspanntere Begleiter. Und blöde Nachfragen auf dem Supermarkt-Parkplatz – „Hat der Allradantrieb?“ – ersparen wir uns in einem Fahrzeug wie dem Ford C-Max gleich mit.

Schon seit einigen Jahren steht Ford für gute Fahrwerke und ein tolles Fahrgefühl. Unser Testwagen war zudem mit dem hochgelobten 1,0-Liter-Dreizylinder motorisiert, in der Version mit 92 kW (125 PS). Der Benziner fährt sich wunderbar angenehm, nur die versprochenen rund fünf Liter Spritverbrauch je 100 Kilometer hat er nicht eingehalten. Nützt man für den Fahrspaß die Fähigkeiten des Motors auch nur annähernd aus, fließen mindestens zwei Liter mehr pro 100 Kilometer durch die Leitungen.

Wobei das unerschütterliche und zugleich komfortable Fahrwerk und der tolle Antrieb am Ende gar nicht so viel bringen. Zwar ist man mit dem kleinen Motor in der Stadt flott dabei und wieselt flink durch das Straßengewirr. Geht es aber auf die Autobahn, verschwindet die Fahrfreude schnell. Die Gänge vier bis sechs sind derart lang ausgelegt, dass wir unbemerkt kilometerlang mit ordentlichem Tempo im vierten Gang unterwegs waren. Im sechsten Gang mag man dann zwar spritsparend rollen, muss aber schon beim Bewältigen kleinerer Anstiege wieder zurückschalten – und zwar gleich in den vierten Gang. Hier prallen die Ambition zu sportlichem Fahren und der Zwang zum Sparen unpassend aufeinander.

Aber ein Kompaktvan ist ja vor allem ein Transportmittel für die Familie und so manches andere. Als solches erfüllt der 4,38 Meter lange C-Max die Anforderungen, kann beim Platzangebot aber mit einem nagelneuen Vertreter seiner Klasse, wie etwa dem VW Touran, nicht mithalten. Die Rücksitze lassen sich immerhin umklappen und flach nach vorne legen. Bei Bedarf können sie mit überschaubarem Aufwand auch ganz herausgenommen werden. Dann wird der Fünftürer fast zum Umzugswagen. In normaler Konfiguration mit genutzten Rücksitzen fällt das Kofferraumvolumen mit 432 Litern durchschnittlich aus.

Der Innenraum wird nicht jedem gefallen. Die Materialauswahl ist nicht unbedingt gelungen: An manchen Stellen hätte man sich schönere Kunststoffe gewünscht. Die Verarbeitung ist aber nicht zu beanstanden. Allerdings sind die Schalter und Knöpfe teilweise zu klein und daher nicht immer leicht zu treffen. Die Sitze sind hingegen prima.

Mit dem getesteten Motor ist der C-Max ab der mittleren Ausstattungslinie Trend verfügbar. Sie kostet mindestens 21.850 Euro, erfüllt dann aber längst nicht alle Wünsche. So lässt sich die Klimaanlage nur manuell regeln und der Wagen steht auf schnöden Stahlfelgen. Teurer ist die Ausstattung Titanium (24.000 Euro). Dann hat der Ford alles Wesentliche an Bord, bis vielleicht ein Navi – das gibt es für 700 Euro im Paket zusammen mit dem großen Touchscreen-Bildschirm (20 Zentimeter Diagonale) und Heck-Parkpiepsern.

Unterm Strich erwies sich der Kompaktvan als ein routiniert gemachtes Fahrzeug mit wenig Schwächen. Ford hat in den letzten Jahren den SUV-Wahn nur in Maßen mitgemacht, dafür aber im Segment der Raumfahrzeuge (B-Max, S-Max, Galaxy) Kompetenz aufgebaut. Beim C-Max stehen vor allem das tolle Fahrwerk, ein ebensolcher Motor, das Platzangebot und die Verarbeitung auf der Plus-Seite. Als Minus notieren wir das unglücklich abgestufte Getriebe, die Innenraumgestaltung und die magere Serienausstattung.

Technische Daten

Motorbauart: 1,0-Liter-Benzinmotor, drei Zylinder Leistung: 92 kW (125 PS) Beschleunigung (0–100 km/h): 11,4 Sekunden Höchstgeschwindigkeit: 187 km/h Normverbrauch: 5,1 Liter je 100 Kilometer CO2-Emission: 117 g/km Testverbrauch: 7,2 Liter je 100 Kilometer Effizienzklasse: B Preis: ab 21.850 Euro

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