Elektromobilität: Der Ruf nach Kaufprämien für E-Autos wird lauter

Der Dieselmotor schwächelt. Aber die Autos sollen immer weniger CO2 ausstoßen. Deshalb fordern immer mehr Unternehmer und Politiker Subventionen für Elektroautos.

In der Wirtschaft dreht sich die Stimmung – und in der Politik vielleicht auch: Wurden Subventionen für Elektroautos von deutschen Herstellern und Industrieverbänden bisher eher zurückhaltend gefordert, wird das Verlangen nun viel selbstbewusster vorgetragen. Inzwischen ruft sogar der Vorstandsvorsitzende des gutverdienenden Vorzeigekonzerns BMW danach: Um die Elektromobilität voranzubringen, brauche das Land mehr staatliche Förderung, hatte BMW-Chef Harald Krüger jüngst gesagt.

Im Berliner Koalitionsvertrag ist nur von einem KfW-Förderprogramm für zinsgünstige Kredite die Rede, auf Kaufprämien wird dort explizit nicht gesetzt. Doch auch hier tut sich etwas – im Licht der Diskussion um die Zukunft des für die deutsche Industrie so wichtigen Dieselmotors: „Wer bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße haben will, wird an Kaufanreizen nicht vorbeikommen“, sagte Sören Bartol, einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzende der SPD, am Samstag in Berlin. Angesichts niedriger Spritpreise sei die größte Herausforderung, die Autofahrer zum Umstieg zu bewegen.

Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist für eine Prämie von 5000 Euro je Elektrofahrzeug, im Bundesrat gibt es diese Meinung ebenfalls. Bisher war in der Koalition unter anderen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dagegen. Seine Rechnung sieht so aus: Würde eine Million Elektroautos mit 5000 Euro bezuschusst, entstünden Kosten von 5 Milliarden Euro. Bartol wiederum sagte, der Kaufpreis für die Nutzer müsse reduziert werden. Ziel müsse auch eine verpflichtende Quote bei der Beschaffung von Elektroautos durch Bund, Länder und Kommunen sein, um zügig einen Markt für Gebrauchtwagen aufzubauen.

Selbst der Autoverband ist bisher nicht so offensiv

Selbst der Auto-Lobbyverband VDA ist bisher nicht ganz so offensiv: Der hat sich öffentlich für eine Sonderabschreibung für elektrische Firmenwagen, ein Beschaffungsprogramm der öffentlichen Hand und ein Programm für mehr Ladesäulen („10.000 Säulen-Programm“) stark gemacht. Durchgedrungen ist der Verband aber auch damit bisher nicht.

Eine wichtige Rolle dürfte bei den neuen Überlegungen rund um eine Kaufprämie spielen, dass der Dieselmotor nach der Betrugsaffäre bei Volkswagen in Verruf zu geraten droht. Deshalb ist nun auch die steuerliche Bevorzugung von Diesel an der Tankstelle wieder stärker umstritten. Der Steuervorteil gegenüber Super und Normal liegt bei rund 18 Cent je Liter. Greenpeace findet, die Begünstigung sei durch nichts zu rechtfertigen. Gleiches gilt für andere Umweltverbände.

Wahr ist aber auch: Diesel hat einen höheren Kohlenstoffgehalt als Benzin, und die Motoren nutzen die Energie im Kraftstoff wesentlich besser aus. Trotz eines höheren Kohlenstoffanteils bleibt beim Diesel wegen der effizienteren Verbrennung am Ende auch ein CO2-Vorteil von bis zu 15 Prozent gegenüber dem Benzinmotor, hat der VDA ausgerechnet. Der reine Verbrauchsvorteil des Diesel gegenüber dem Benziner liege bei rund 20 Prozent. Gerät der Diesel nun aber ins Wanken, sind die ehrgeizigen CO2-Ziele kaum zu halten

Wie groß die Sorgen sind, hat vor wenigen Tagen Karl-Thomas Neumann, der Chef des Autoherstellers Opel, im Gespräch mit der F.A.Z. deutlich gemacht: Es sei extrem teuer, immer neue Dieselmotoren zu entwickeln, welche die immer ehrgeizigeren Emissionsvorgaben für den Flottenverbrauch zu erreichen imstande seien. Verschöbe sich zudem der Mix in der Flotte zuungunsten des Diesels, werde diese Herausforderung noch größer. Dieser Tatsache, davon ist auch Neumann überzeugt, lasse sich nur mit neuen Elektromodellen gegensteuern.Unbedingt festzuhalten sei auch am Ziel des Flottenverbrauchs von 95 Gramm CO2 je Kilometer bis zum Jahr 2020: „Das Emissionsziel muss natürlich unverändert bleiben, sonst haben wir, sonst haben alle Hersteller ein ernstes Problem“, sagte Neumann vor dem Hintergrund neuer Abgas-Messverfahren, die bald Einzug halten werden und die ausgewiesenen Verbrauchswerte realitätsnäher, also höher, abbilden werden.

Ihr Team von autoankauf-de.de