Datenschutz. Telematik: Die Datenkrake im Auto bändigen

Viele sind bereits ein Teil davon, ohne es wirklich zu wissen. Die Rede ist von Telematik, der Übermittlung und Auswertung von Fahrzeug- und Nutzerdaten, die ein Automobil sammelt. Fahrer treten dieser Praxis einerseits aufgeschlossen gegenüber, andererseits herrscht aber auch ein großes Misstrauen. Wie lassen sich diese Pole vereinen?

Mit dieser aktuellen Thematik befassen sich die Experten des TÜV Rheinlands und haben eine mehrstufige Umfrage gestartet. Die Auswertung wird jetzt im Rahmen der Automechanika 2016 präsentiert. TÜV Rheinland Geschäftsführer Dr. Matthias Schubert eröffnet die Präsentation mit einer Anekdote: „Auch du bist vom Telematik-Thema betroffen“, erzählt er von einem Gespräch mit seiner Mutter, die ein modernes Auto fährt, das natürlich auch einige Fahrzeugdaten erzeugt. „Ich? Nein! Das wüsste ich aber“, so die selbstsichere Dame. Und da liegt auch schon der Hase im Pfeffer. Denn das allgemeine Bewusstsein zu Telematik ist in der Bevölkerung sehr nebulös.

Einige wissen, dass Daten erhoben werden. Viele wissen nicht, wer diese Daten erhält und was damit angestellt wird. Und dadurch entsteht eine – zum Teil sehr gerechtfertigte – Abneigung gegen die metaphorische „Datenkrake“. Dabei betrifft das Thema immer mehr Leute, da der Anteil vernetzter Fahrzeuge stetig wächst.
Welche Daten werden erhoben?

So ziemlich alles, was die Sensorik erlaubt: Abgespielte Musik, angefahrene Standorte, Fahrerverhalten, Daten zur Ferndiagnose und mehr. Das geschieht alles im Hintergrund, der Fahrer selbst bekommt davon wenig mit, da es ihn vermeintlich auch erst einmal nur indirekt betrifft.

Im Allgemeinen, so die TÜV-Rheinland-Umfrage zur Telematik, kann sich die große Mehrheit der Verbraucher (83 Prozent) sehr nützliche Anwendungsgebiete vorstellen, wie das vernetzte Fahrzeug zu deren Nutzen eingesetzt werden könnte. Vor allem die Themen Sicherheit und Komfort stehen da im Mittelpunkt. Dennoch sind viele dagegen, pauschal Telematikdaten durch das Fahrzeug übermitteln zu lassen. So sind knapp 60 Prozent gegen eine Übermittlung, sogar dann, wenn sie im Gegenzug verschiedene Telematik-Dienste nutzen könnten. Misstrauen und die Angst davor, zu „gläsern“ zu werden, bestimmen diese Haltung stark.

Die TÜV-Experten bieten schließlich einen Ausblick, wie die Akzeptanz der automotiven Telematik gesteigert werden kann. Eine naheliegende Möglichkeit wäre, finanzielle Anreize zu schaffen. Daten gegen Vergünstigungen, beispielsweise bei der Autoversicherung. Etwa 54 Prozent der Befragten würden ein solches Angebot auf Anhieb annehmen. Noch eine Möglichkeit hat sich bei der Auswertung ergeben: Die Verbraucher würden ihre Daten lieber über eine offene Datenplattform übermitteln. Dabei wünschen sie sich eine bessere Kontrolle und Übersicht dazu, welche Daten sie mit welchem Dienst teilen wollen. Und wer soll es richten? Unter den Befragten halten 62 Prozent den TÜV für eine Institution, der sie diese Aufgabe zutrauen würden. So oder so: Es bleibt spannend auf der Daten-Autobahn.