Darum verkauft Boris Becker seine Geschäftsbasis

23 Jahre lang besaß Boris Becker drei Mercedes-Autohäuser. Manager Tiriac hatte ihm zu diesem Standbein geraten. Die jetzige Trennung von dem Geschäftszweig steht für einen Umbruch in der Branche.

Vor drei Jahren behauptete Boris Becker, seine Autohäuser seien nach wie vor die „Basis der beckerschen Geschäfte“. Als sein Buch „Das Leben ist kein Spiel“ auf den Markt kam, stellte er in einem eigenen Kapitel seine Erfolge als Unternehmer dar. Kurz nach Erscheinen des Buches wurde Becker überraschend Trainer des serbischen Spitzentennisspielers Novak Djokovic und feierte mit ihm sechs Grand-Slam-Titel. Jetzt ist Boris Becker diese Trainerposition los – und er verkauft auch seine drei Mercedes-Autohäuser.

Der Einstieg in den Autohandel durch den heute 49-jährigen dreifachen Wimbledon-Sieger geht auf eine Idee seines früheren Managers Ion Tiriac zurück. Der Verkauf von Mercedes-Fahrzeugen sollte dem Tennishelden eine langfristige sichere Einnahmequelle selbst nach dem Ende seiner Tennisprofikarriere bescheren. In Mecklenburg-Vorpommern, an den Standorten Stralsund, Ribnitz-Damgarten und Greifswald, entstanden drei Autohäuser, die bis heute unter Boris Becker firmieren und Mercedes und Renault verkaufen. Doch Boris Becker steigt aus diesem Geschäft aus.

Die drei Becker-Autohäuser werden im ersten Quartal 2017 von der größeren, regionalen Mercedes-Händlerkette Brinkmann komplett übernommen, die damit auf zehn Standorte wächst. Firmenchef Knut Brinkmann will auf Anfrage den Kaufpreis nicht verraten. Er spricht aber von einer „weitsichtigen, weisen Entscheidung von Herrn Becker“, weil sich die Strukturen im Autohandel vor dem Hintergrund von Online-Angeboten und Elektrofahrzeugen stark verändern würden.

Verkaufen, wenn es noch Geld dafür gibt

Größere Einheiten im Kfz-Bereich seien besser überlebens- und entwicklungsfähig als kleinere. „Herr Becker hat erkannt, dass es besser ist, jetzt zu verkaufen, wo es noch Geld dafür gibt.“

Tatsächlich zeichnet sich seit Jahren ein Konzentrationsprozess zu größeren Autoverkaufshäusern ab. Allein 2015 ging die Zahl der rechtlich selbstständigen Autohändler um 400 auf 7400 zurück, ermittelte das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) in Geislingen. Im Jahr 2000 waren es noch 18.000.

„Statt kleiner, familiengeführter Betriebe werden in Zukunft professionell geführte Gruppen den Automobilhandel in Deutschland bestimmen“, sagt IFA-Direktor Professor Willi Diez. Es würden sich zunehmend amerikanische Verhältnisse mit Mega-Dealern abzeichnen, die verschiedene Marken vertreten. Mittlerweile gibt es bei den Automobilhändlern sechs Umsatzmilliardäre.

Roland Berger hilft bei der Käufersuche

Dagegen ist Boris Becker mit seinen drei Häusern ein kleines Licht. Der Wimbledon-Sieger schaltete für die Käufersuche seiner Autohäuser die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger ein.

Bislang hat Herr Brinkmann als Käufer den Tennisstar noch gar nicht getroffen – das soll auf einer großen Kundenveranstaltung nachgeholt werden. Im Autohandelsgeschäft hat sich Boris Becker selbst nicht größer engagiert, sondern überließ dies seit 23 Jahren seinem Autohaus-Geschäftsführer Malte Hermann.

Bislang wurden in den drei Boris-Becker-Autohäusern mit rund 160 Beschäftigten jährlich etwa 1000 Mercedes-Pkw und -Nutzfahrzeuge sowie etwa 700 Gebrauchtwagen verkauft. Der Umsatz lag 2014 bei knapp 30 Millionen Euro, bei einem kleinen Gewinn. Auch 2015 und voraussichtlich 2016 werden schwarze Zahlen geschrieben, sagt Brinkmann. Von Boris Becker war kurzfristig keine Stellungnahme zu erhalten.